Ikariam – Kleines, buntes Überraschungsei
Ikariam orientiert sich an den klassischen Kolonisationsstrategen und zieht alle Register, ohne einen geschichtlichen Hintergrund verbindlich herauszuarbeiten und verschreibt sich somit erst einmal Allgemeinplätzen: „Auf einer kleinen Insel irgendwo im Mittelmeer entsteht eine Hochkultur der Antike. Unter Deiner Führung beginnt ein Zeitalter der Entdeckungen und des Wohlstandes.“ Auf Grund der prägnanten Umsetzungen wird jedoch durchaus die Fantasie des Spielers in jeglicher Hinsicht beflügelt.
Jetzt und ehedem
Ikariam funktioniert über drei Darstellungsebenen: Die Welt-, die Insel- und die Stadtkarte. Auf der Weltkarte ist ersichtlich, wieviele Städte, welches Weltwunder und welcher Luxusrohstoff sich auf den jeweiligen Inseln befinden.
Auf der Inselkarte werden verschiedene ausführbare Aktionen angezeigt, bspw. Warentransport oder Plünderung. Auf der Stadtkarte errichten Sie neue Gebäude und können diese durch einfaches Klicken betreten.
Ikariam geht gleich in die Vollen, und das ohne Rücksicht auf Verluste. Hier seine Zeit mit der Grundförderung zu verschwenden, scheint entbehrlich, ist aber notwendig. Vielmehr Wert wird jedoch im Laufe des Spieles auf Luxusrohstoffe wie Wein, Marmor, Kristallglas oder Schwefel gelegt, die Sie erst abbauen können, wenn Sie den Stichpunkt Wirtschaft erforscht haben. Verfügen Sie noch nicht über diese Fertigkeit, sind Sie gezwungen, zu handeln. Sie sollten sich hierbei auch an dem Bevölkerungswachstum orientieren, das dem Faktor Zufriedenheit unterliegt. An dieser Stelle ist es für Profis vielleicht angebracht, vorzugreifen:
Handel und Verteidigung funktionieren nur über einen ausgebauten Hafen, in welchem Sie genug Handels- und Kriegsschiffe stationieren sollten. Unterwegs können Sie einige Entdeckungen machen, sofern Sie eine Akademie erbaut haben. Hierfür benötigen Sie Forscher, die somit auch Grundvoraussetzungen für neue Kolonien bilden.
Das Bevölkerungsmaximum ist von zwei verschiedenen Faktoren abhängig: einmal dem Ausbau des Rathauses, andererseits künstlerischen Ausdrucksformen wie dem Errichten von Museen oder der eher triebhaften Art, nämlich der des exzessiven Weingenusses in der Taverne. Relativ unkompliziert ist die Errechnung oder das Überschlagen Ihrer Barschaft: Bürger produzieren 4 Gold je Stunde, während Arbeiter nichts an Sie abführen. Forscher und Einheiten bzw. Schiffe kosten dagegen (immensen) Unterhalt; Kriegsschiffe, die unterwegs sind, sogar den doppelten.
Wehe, wenn sie losgelassen…
Während der Abbau von einfachen Baustoffen selbsterklärend ist, dienen Luxusgütern speziellen Diensten: Wein ist – wie bereits erwähnt – dazu da, die Bevölkerung bei Laune zu halten, Marmor wird für die höheren Ausbaustufen von Gebäuden benötigt, Kristallglas ist nützlich für die bildenden wie forschenden Künste, während Schwefel der (erfolgreichen) Kriegsführung zugute kommt. Kämpfe werden zur See oder an Land geführt, alle Einheiten verfügen dabei über Standardwerte wie Rüstungsschutz und Unterhalt, aber auch Spezialfähigkeiten wie Sturmangriff und Mauerbrecher, die sehr übersichtlich gehalten, jedoch durchaus elitär und vorteilhaft sind.
Sollten Sie sich dazu entschließen, eine benachbarte Stadt anzugreifen, haben Sie drei verschiedene Möglichkeiten: Plündern, den Hafen blockieren, die Stadt besetzen.
Beim Plündern sollten Sie sich ausnahmsweise mal keine Zeit lassen, denn Sie haben nur zwanzig Minuten. Außerdem versaufen Soldaten oder Matrosen nach der Besetzung einen Teil der Heuer und Gehälter. Der Verlauf einer Land- oder Seeschlacht ist ähnlich, obwohl beim Landkampf einige Faktoren hinzugerechnet werden, zum Beispiel die Stärke der Stadtmauer. Dennoch müssen Sie nicht allein kämpfen, Sie können sich mit einem Freund verbünden, Ihre Einheiten verschmelzen dann zu einer Horde. Wurde das Schadenspotential berechnet und verteilt, was übrigens zufällig geschieht, werden noch flüchtende Einheiten abgezogen. Einheiten flüchten, wenn Ihr Ausdauerwert unter ¼ des Ausgangswertes fällt. Sollte kein Gewinner feststehen, geht es in die nächste Kampfrunde. Wenn am Ende ein Kräfteverhältnis von 5:1 überwiegt, haben Sie gewonnen.
Diplomatenausweis im Gepäck
Vor der Unterwerfung anderer Inseln ist es durchaus sinnvoll, seinen Gegner auszuspionieren. Die Menge der auszubildenden Spione richtet sich nach der Ausbaustufe Ihres Versteckes. Spione verfügen insgesamt über acht Interaktionsmöglichkeiten; werden sie beim Auskundschaften entdeckt, kann es aber sein, dass sie Infos über Ihre Heimatstadt Preis geben. Das Entdeckungsrisiko wird individuell berechnet, es richtet sich u. a. nach der Größe der infiltrierten Stadt oder dem Ausbau des gegnerischen Versteckes. Auch sollten Sie nach einem gelungenen Auftrag etwas Zeit verstreichen lassen, ehe Sie einen Spion erneut einsetzen, da ansonsten das Restrisiko, entdeckt zu werden, erhöht wird.
Bei der Diplomatie reicht es nicht, einfach einen User anzuschreiben und zu fragen: „Ey, bist du diplomatisch, oder was?“, denn für die meisten Abkommen benötigen Sie Diplomatiepunkte, die Sie erhalten, sofern Sie Botschaften errichten. Sie können jedoch zwangsläufig nur eine begrenzte Anzahl an Abkommen schließen, da die Welt um Sie herum dicht besiedelt, der Botschaftsspielraum in Sachen Erweiterung aber begrenzt ist. Kündigen Sie eine diplomatische Beziehung, erhalten Sie diese Punkte allerdings wieder zurück.
Forschungen sind neben der Diplomatie immens wichtig in Ikariam. Diese unterteilen sich in vier Stränge: Seefahrt, Wirtschaft, Wissenschaft und Militär. Hier gibt es keine wirklichen Larifari-Ansätze, sondern jeder Stichpunkt trägt tatsächlich zur Bereicherung Ihres Inselstaates bei. Ähnlich sieht es in Sachen Krieg bei der Einheiten- und Schiffsbeschreibung aus: alle haben in ihrer speziellen (Herangehens-) Weise ihre Daseinberechtigung. Näher hinsehen lohnt sich bei den Weltwunderstatuen, die den ein oder anderen gewichtigen Vorteil mit sich bringen.
Fazit:
Hier in lukullischem Bildergenuss zu schwelgen, ist Ehrensache. Selten habe ich eine grafisch so liebevoll gestaltete Seite bei Browsergames gesehen, auf der eine einfach erscheinende Grundidee absolut professionell und fantasievoll umgesetzt wurde, auch wenn es die (wirtschaftlichen) Forschungen in sich haben und Sie kaum mit allem, was es hier zu bewältigen gilt, hinterherkommen. An manchen Stellen die Übersicht zu behalten, stellt eine echte Herausforderung dar, die ganz bewusst das Belohnungszentrum anspricht. Dennoch ist Ikariam uneingeschränkt zu empfehlen, da es Spaß und vor allem eins macht: der Fantasie auf die Sprünge hilft.
Anmerkung: Ikariam gewann im April 2009 den Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie “Bestes Browsergame”.
Fakten zum Spiel
| Name: | Ikariam | Webseite: | http://www.ikariam.de/ |
| Sprache: | deutsch | Genre: | Strategie |
| Präsentation: | +++++ | Zugänglichkeit: | +++++ |
| Spielspaß: | ++++ | Downloadclient: | nein |
| Premium: | ja | Zeitaufwand: | sehr hoch |
| Lästerfaktor: | +++ | Publisher: | Gameforge |








Was dieses Spiel von Travian oder Inselkampf oder allen anderen Konsorten dieses Genres abheben soll ist mir Schleierhaft.
Das Spielprinzip ist haargenau dasselbe, mit den selben Fehlern der “Vorbilder”. Selbst die Premiumfetures sind dieselben.
Okay die Grafik ist sehr hübsch, aber das bieten andere Spiele auch.
Für mich ist es kein Überraschungsei sondern eher ein Ei unter vielen und alle sehen gleich aus.
Die Kritik an den “Geld”forge-Machern ist nicht unberechtigt, und dass Source-Codes immer wieder verwendet und weiterverkauft werden, ist ja wohl ein offenes “Geheimnis”. Dennoch hat mir Ikariam unter all den Plagiaten am meisten Spaß gemacht, da aus Inahlt und Konzept das geschöpft wurde, was das (zugegeben: etwas abgedroschene Thema) hergibt. Es sind nun mal keine Vollpreisspiele, die hier präsentiert werden, sondern “nur” Browserspiele und MMORPG’s. Über die Hintergrundpraktiken in diesem Gewerbe lohnt sich ein eigenes Buch, soviel ist klar. Dennoch hat Ikariam ganz klar einen leicht erhöhten Status, da es m. M. nach beinahe optimal präsentiert wird, auch wenn ziemlich schnell sehr intensive “Zeitfenster” den Spieler fordern.
Gerald