Arthoria – Tod eines Rollenspielreisenden
Eines gleich vorweg: Arthoria ist größtenteils textbasiert, was für heutige Verhältnisse doch relativ ungewöhnlich ist, ein wenig an die Textadventures von Anno Dazumal erinnert und für alte Säcke wie mich auch etwas Wehmut aufkommen lässt. Wer also keine Affinität zum Lesen und Studieren von längeren Texten oder Hintergrundinformationen hat, sollte es sich zweimal überlegen, das Spiel zu beginnen.
Hier bin ich, jetzt nimm mich
Leider verspricht der Einleitungstext nicht gerade ein Feuerwerk an Kreativität: Ihr Dahergereister redet vor den mächtigen Toren einer nicht näher bezeichneten Stadt mit den Torposten – was einigermaßen clever ist, denn eine der 80 Nebenquests wird sich mit der Namensgebung der Stadt befassen – und verspricht, immer schön brav zu sein, auch wenn er ein Held werden will. Was sich irgendwie beißt. Aber was quatscht man sich nicht die Lippen wund, um eingelassen zu werden. – Mehr an Hintergrundinfos gibt es nicht.
Wichtigstes „Instrument“ ist die Statusseite, auf der bei Levelanstieg je ein „hingegeizter“ Punkt für allgemeine und Kampffertigkeiten verteilt werden.
Diese sind dort auch kurz und knapp erläutert und orientieren sich am klassischen Rollenspielstammbaum (Intelligenz, Konzentration etc.), wobei hinzugefügt werden muss, dass das Erlernen alter Sprachen dazu dient, neue Zauberformeln freizuschalten. Und da es eben nur die Möglichkeit gibt, als Zauberer und nicht etwa als Krieger oder Paladin aufzutreten, ist die Vorantreibung und Entwicklung dieser Sparte vorhersehbar. Denn nur mit mächtigen Zaubersprüchen bekommen Sie die mächtigeren Gegner klein und somit mehr Erfahrungspunkte, die auch durch das Lösen von Quest-Aufgaben in der Taverne zu erlangen sind. Leider erhöhen sich mit den Levelaufstiegen nicht die Aktionspunkte, die auf 20 pro Tag fixiert sind.
Einmal eintüten, bitte
Der Einstieg gestaltet sich in der Hinsicht etwas schwierig, da Sie unwissend sind, wie Sie überhaupt an Erfahrungspunkte gelangen sollen – doch nach einigem Geklicke finden Sie des Rätsels Lösung: Sie klappern einfach den Goblinwald im Bereich der Kampfgebiete ab und treffen hier auf Ihre ersten Gegner, deren Stärken in einem kurzen Abriss beschrieben werden, und arbeiten sich langsam in den Gegnerstufen hoch.
Beachten Sie auch, dass es in manchen Gegenden Bossmonster gibt. Sie können zwischen den verschiedenen Kämpfen Beeren oder Tränke zur Regeneration einsetzen – allerdings ist gerade in den ersten Leveln Ihr Einkommen noch so gering, dass Sie immer wieder auf das „Anwesen“ ausweichen müssen, um sich einige Minuten auszuruhen. Später lernen Sie, regenerierende und andere Tränke zu brauen, sofern die Rezepturen vorliegen. Wenn Sie ein erfahrener Kräutersammler sind, brauchen Sie für die Zutaten nicht einmal Gold auszugeben, müssen diese aber in Abständen von einer Stunde bis zu neun Stunden zusammensuchen, und das nicht immer mit Erfolg – abbrechen können Sie eine solche Aktion nur mit dem Premium-Account. Wo Sie jedoch einiges an Zahlungsmitteln verpulvern, ist beim Goldschmied. Hier rüsten Sie sich mit Waffen aus und lassen Rüstungen verstärken, Artefakte schmieden oder Luxusobjekte herstellen.
Je höher Sie übrigens Ihr Anwesen ausbauen, um so schneller erfolgt die Heilung. Das Anwesen ist aber nicht nur schnöde dahingesetzt wie bei den gängigen Konsorten, sondern beherbergt noch einen Kräutergarten, ein Laboratorium, eine Schriftrollensammlung, eine Stallung, Dekorationsobjekte u. v. m., deren Ausbau und Konfirmation käuflich erworben werden dürfen. Der Händler hat ebenfalls so einiges Verlockendes auf Lager, jedoch zu Preisen, die sich gewaschen haben: woher also soviel Kohle aufbringen? Die Antwort ist einfach: erarbeiten. Und das dies nicht in rasanter Manie(r) vonstatten geht, dürfte klar sein. Selbst in einem Textadventure dieser Art ist wieder hartes Geschäft angesagt, obwohl es bei Weitem nicht so attraktiv ist wie bei den grafischen Vorreitern.
Aber auch die Gildengründungen kommen neben der Überfallfunktion nicht zu kurz – oder die Funktion der fünf Schreine. Hier findet jeden Sonntag zwischen 19 und 20 Uhr ein Krieg der Bündnisse statt, eine Art „Capture the Flag“, in der 3 von 5 Schreinen erobert werden müssen, um den Sieg davonzutragen. In einem textbasierten Fantasy-Browserspiel ist dies durchaus außergewöhnlich…
Fazit:
Hätte sich die Kreativität, die hier an den Tag gelegt wird, auch anfangs in der Story niedergeschlagen, um einen Spannungsbogen aufzubauen, wäre das Ganze rund geworden. So aber irrt der angehende Magier ohne Handlungsfaden („Tod eines Handlungsreisenden“ für einen armen Fantasy-Helden) durch die Gegend und denkt sich seinen Teil. Oder eben auch nicht. Der Identifikationsfaktor des Magiers lässt mit der Zeit zu wünschen übrig; es gibt keine Gedanken, keine offenkundigen Gefühle, keine bezwingbaren Story-Hintergründe; der Magier ist eher eine Schachfigur, die auf ein Brett gestellt und hin und her gezogen wird. Und das ist für ein Spiel dieser Machart, von dem ich mir romanartigen Charakter erhofft hätte, einfach zu wenig. Mehr Inhalt und verwobene Zusammenhänge, und das Ganze hätte sich zu einem Geheimtipp entwickeln können. So verblasst das Konzept leider, in dem sehr viel Text-Arbeit steckt, und vegetiert dahin zu einem Alzheimer-Patienten ohne Magie-Pomade. Schade.
Fakten zum Spiel
| Name: | Arthoria | Webseite: | http://www.arthoria.de |
| Sprache: | deutsch | Genre: | Rollenspiele |
| Präsentation: | ++ | Zugänglichkeit: | +++(+) |
| Spielspaß: | +++ | Downloadclient: | nein |
| Premium: | ja | Zeitaufwand: | mittelmäßig |
| Lästerfaktor: | ++ | Publisher: | Stefan Hoffmann |




