Artyria – Verschärfte Premiumgleichung

Artyria – Verschärfte Premiumgleichung

Artyria ist die spielerisch etwas weiterentwickelte bzw. verfeinerte Form vieler zeitbasierter Missions-&-Training-Spiele mit dem abgewandelten Source Code, wie er in Gondal & Quest of Gallendor & Last Emperor exisitiert, deren 15-Minuten-Gleichung im Groben wie folgt funktioniert: Mission bestehen (oder bei Abwesenheit Arbeit annehmen) = Geld verdienen; Geld verdienen = in Fertigkeitspunkte investieren; Geld verdienen = in bessere Ausrüstung investieren; Geld verdienen = anderer Luxus-Schnickschnack. Da Geld knapp = Premium-Account aktivieren.

Eine persönliche Bemerkung vorweg

Die Entwickler von Artyria haben in diesem sehr gängigen Metier (siehe Report: V. Fritzmann und Brian Corvers) die Daumenschraube noch ein wenig mehr angezogen, um Premium-Druck zu erzeugen.

Spirituelle Eingebung? Eher Mangelware...

Spirituelle Eingebung? Eher Mangelware...

Für ein Spiel der „leichten Machart“ haben sie sich viel Mühe gegeben, neue Anreize und spielerische Akzente zu setzen, die vollkommen stimmig sind und die z. T. auch Spaß machen. Die gelungene Alternative, zwischen zwei Aufträgen wählen zu können, ist sehr löblich, wiederholt sich allerdings in Klonen wie Last Emperor, die ebenfalls V. Fritzmann zuzuschreiben sind. Doch leider wird zumindest in diesem Spiel der „normale“ Spieler immer wieder auf den ersten und leichteren Weg zurückgreifen müssen (was bei Last Emperor nicht der Fall ist), um an Geld zu gelangen, da die Chancen sehr gering sind, den schwereren zu gewinnen, weil Ihnen schlicht und einfach die Ausrüstung und das nötige Training fehlen. Dieses ist erst ab Level 5 zugänglich – von den raren Denaren rede ich vorerst gar nicht.
Denn während Auftrag 1 stets etwas mit Beschaffung/Botenaufträgen und leichter Arbeit zu tun hat, trifft man im zweiten auf Gegner, die einen stets in die Pfanne hauen. So an mehr Erfahrung und Geld kommen zu wollen, ist absoluter usus. Auch das Kolosseum, in dem professionelle PvP-Spiele bestritten werden, bildet da keine Ausnahme. Doch das war nur der Anfang…

Mann mit Pferd

Artyria hat allerdings auch eine schizophrene Seite, wenn Sie nur die „normalen“ Aufträge spielen. Denn mit jedem leichten oder schweren bestandenen Auftrag erhalten Sie proportional mehr oder weniger Fertigkeitspunkte. Diese beschleunigen im „schwierigen“ Modus logischerweise den Levelaufstieg, in dem neue Gegenstände im Arsenal freigeschaltet werden – die alten verschwinden (unsinnigerweise) vollständig. Hat man sich also ein „Sparziel“ für eine Rüstung ö. ä. gesetzt und rutscht vor der erreichten Summe in das nächste Level, ist der begehrte Gegenstand verschwunden. Alles, was Sie vorfinden, sind teurere Rüstungen und Waffen mit mehr Angriffs- und Verteidigungspunkten, die Sie noch gar nicht bezahlen können. Da hilft kein Flehen und kein Erbarmen – weg ist weg. Wenn Sie also in Level Fünf immer noch mit der Anfängerrüstung und ein paar Sandalen dastehen, weil Sie sich entschieden haben, lieber in Ihre Fähigkeiten und Talente zu investieren, wundern Sie sich nicht.

Quests im Gleichklang

Quests im Gleichklang

Somit wären wir dann auch schon beim nächsten leidigen Thema – dem Geld, das gleich vier „Zahlungsstränge“ bedient, die Sie auf normalem Weg unmöglich unter einen Hut bringen können, um einen ausgewogenen Charakter zu erschaffen. Hier eine Harmonie herzustellen oder zu erfinden, die a) einen angemessenen physikalischen Schutz b) eine ordentlich verstärkte Waffenhand c) einen ausgeglichen bzw. spezialisierten Charakter bietet, ist schlicht unmöglich – es sei denn, Sie helfen mit Echtgeld nach.

Doch hier die erwähnten „Geldstränge“:
-         Einer davon ist die Investition in Ihre Ausrüstung (s. o.)
-         Entweder Sie erhöhen unspektakulär, aber regelmäßig und notwendigerweise Ihre Haupteigenschaften wie Gesundheit, Schlagkraft, Konzentration usw., oder
-         Sie investieren das Gesparte in den Trainingsmodus, der sich wiederum in die drei Attribute Schaden, Schutz und Stärkung gliedert, welche wiederum in vier Unterkategorien eingeteilt sind. Diese insgesamt 12 Gruppen werden jeweils mit 20 Trainingsfortschritten bedacht, was allein schon 240 Möglichkeiten ergibt, sein sauer verdientes Geld auszugeben. Noch dazu werden die Trainingsfortschritte pro Zug wesentlich teurer.
-         Oder wollen Sie doch lieber Ihr Pferd aufmotzen? Denn ein gut ausgerüstetes Schlachtross kann nicht schaden. Auch dies ist mit Fertigkeiten versehen wie Laufgeschwindigkeit (ergibt Zeitbonus bei Ihren Reisen, was durchaus sinnvoll ist), Furchtlosigkeit (bei Gefahren scheut das Pferd nicht,  Sie verlieren keine Zeit) und Gewandtheit (sollte das Pferd im  Kampf flüchten, können Sie es schneller beruhigen und zähmen.) Dass ein Pferd massenweise Denare statt Heu frisst, ist mir zwar neu, aber ich telefoniere gleich mit den Gebrüdern Grimm im Jenseits und schlage Ihnen den Titel „Das Goldfohlen“ vor. – Schließlich will ich ja nicht mit einem teuren Araber (dem Pferd, nur um Diskriminierungsunterstellungen vorzubeugen) bei einem Turnierreiten teilnehmen, sondern lediglich meine Aufträge erfüllen.

Fazit:

Kritik beginnt bekanntermaßen mit Lob: Artyria hat alles, was die Konkurrenz wie Geldforge (respektive Gameforge) auch hat – und davon immer ein bisschen mehr. Auch die grundsätzlichen kommunikativen Attribute stimmen: Sie können eine Clanbildung anstreben oder an der vorbildlich umgesetzten Kolosseum-Variante teilnehmen, die Sie allerdings nicht nur Leben, sondern auch mühsam erwirtschaftete Ehrenpunkte kosten kann. Doch das gehört zum Geschäft.
Dennoch ist Artyria mit Disharmonien durchsät, die zweifelsohne gewollt und berechnend sind. Dazu gehören auch die Anzahl der Aufträge, die jeden Tag bestritten werden dürfen (sieben an der Zahl), d. h., wer mehr an Aureus (Premium) zahlt, darf auch mehr leisten. Was mein sozialpolitisches Verständnis schon in arge Bedrängnis bringt. Ich muss Echtgeld zahlen, um in meiner Freizeit zu arbeiten und zu kämpfen? Das lasse ich mir doch erstmal genüsslich auf der Zunge zergehen.

Fakten zum Spiel

Name: Artyria Webseite: http://www.artyria.com
Sprache: deutsch Genre: Rollenspiele
Präsentation: ++++ Zugänglichkeit: ++++
Spielspaß: +++ Downloadclient: nein
Premium: ja Zeitaufwand: hoch
Lästerfaktor: +++++

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